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Das Museum in ‘Die Erbschaft’

Die dänische Serie ‘die Erbschaft’ erzählt davon, wie eine Familie mit eben so einer Erbschaft umgeht: die Bildhauerin Veronika verstirbt in der ersten Folge und hinterlässt neben einem Anwesen voller Kunstwerke vier (Halb-)Geschwister, die alle unterschiedliche Interessen für die Verwendung oder Verwaltung der Erbschaft haben. Die älteste Tochter, Gro, möchte das Haus als Bestandteil eines Museums mit und über Veronikas Kunst einrichten, dieses soll im Zuge dessen in den Besitz einer Stiftung überführt werden.

Frederik, der ältere Sohn, möchte mit seiner Familie in das Haus einziehen. An der Kunst der Mutter hat er kein Interesse, da er sich mit ihr überworfen hat und ihr vorwirft, seinen damals todkranken Vater des Hauses verwiesen zu haben, woraufhin dieser sich das Leben nahm. Frederik sieht die Schuld für diesen Suizid bei Veronika, zumal das Haus ursprünglich das seines Vaters, Karl, war.
Der jüngere Sohn, Emil, hat vor allem finanzielle Interessen – er hat zum Bau eines Resorts in Thailand Geld von der örtlichen Mafia geliehen und muss dieses dringend zurückbezahlen.
Die jüngste Tochter, Signe, weiß bis zum Tod Veronikas nicht, dass sie deren Tochter ist. In der Nacht ihres Todes ruft Veronika Signe zu sich und offenbart ihr, dass sie ihre leibliche Mutter sei. Sie übergibt ihr außerdem ein Schriftstück, in welchem sie ihr, Signe, das Anwesen vererbt.

Allein in der kurzen Beschreibung dieser vier Charaktere wird schon erkenntlich, dass die familiären Verhältnisse nicht die einfachsten sind. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass Gro, in der ersten Folge als ‘einsam und unglücklich’ bezeichnet,  durch das Museum eine Fassade schaffen möchte, das Wirken der erfolgreichen Künstlerin Veronika vor die zerrütteten familiären Verhältnisse stellen, und damit vielleicht auch Veronikas Misserfolge als Mutter übertünchen möchte.

die-erbschaft-screenshotGro betrachtet mit einem potentiellen Investor das Modell des Museums, darin links vorne das Haupthaus, rechts der geplante Neubau. Screenshot via arte+7

Das Museum wird hier also zum Bild der ‘heilen Welt’ bzw. der heilen Familie. Im oben zu sehenden Screenshot ist auch erkenntlich, dass im geplanten Modell das neu zu erichtende Museum sehr viel größer ist als das Haupthaus. Hierin zeigt sich auch das gewünschte Bild, und die große repräsentative Funktion die dem Museum zugeschrieben wird.
Aber auch das Haupthaus soll zum Ausstellungsort werden, als Ort des Schaffens der Künstlerin Veronika zum Ausstellungsobjekt werden, und dadurch gewissermaßen Authentizität gewähren.

Authentizität nun ist wohl auch immer deren Inszenierung – in der geplanten Eingliederung des Hauses in das Museum sowieso; aber auch schon im Vorfeld: Die Szenen in denen wir Veronika noch lebendig erleben und in denen z.B. kurzerhand ein Loch in die Decke gesägt wird, damit der Weihnachtsbaum aufgestellt werden kann, zeugen vom Bewusstsein der Künstlerin für die Selbstinszenierung ebenso wie die Trauerfeier, welche dann von Gro am Silvesterabend in den selben Räumlichkeiten ausgerichtet wird. Oder das Treffen mit den möglichen Investoren für das Museum am selben Ort: Er soll stets Zeugnis ablegen davon, dass hier eine große Künstlerin arbeitete und auch lebte. Wodurch die Museumsidee jedoch nicht nur die Fassade, die Oberfläche abbilden soll, sondern auch ein Eindringen ins Private darstellt.

Und so scheint es letztendlich, als ob das geplante Projekt zwischen Museum und Mausoleum oszilliert.
Die Urne, die nach einer Auseinandersetzung zwischen Gro und Frederik zerschellt, so dass die Asche der Verstorbenen sich im Haus (und auf den Anwesenden) verteilt, bestärkt das Grabstättenbild nochmals, und markiert Veronikas Besitzansprüche, ist im Endeffekt eine posthume Machtdemonstration; ihr Wirken bestimmt immer noch den Raum.
Und auch Frederik, der gegen das Museum ist, hat vielleicht mit seinen Einzugsplänen letzten Endes eine ähnliche Intention – eine Gedenkstätte für seinen Vater, ganz ins Private zurück gezogen jedoch, ein bewohnbares Mausoleum in diesem Fall.

Am Ende der ersten Staffel scheitern beide Pläne und Signe bezieht das Haus, die Werke Veronikas werden abtransportiert und an verschiedene Museen und Privatsammler verkauft. Signe plant, Landwirtschaft  auf den zum Anwesen gehörenden Landflächen zu betreiben – zunächst eine entgültige Absage an sowohl Mausoleum als auch Museum; die Absage an Erinnerung und Archivierung. Stattdessen ein Neubeginn für den Ort, Tabula Rasa, bereit dafür, mit neuen Bedeutungen gefüllt zu werden.

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