How to Multimediaguide III: Inhaltliche Konzeption

Nachdem ich zuletzt die ersten Schritte der technischen Konzeption eines Multimediaguides behandelt habe, will ich nun auf das Herzstück des Guides eingehen: die Inhalte. Wie im ersten Post  der Serie schon angedeutet, ist  für deren Auswahl die wichtigste Frage die nach der Art des Einsatzes des Guides. Weiter ist meines Erachtens nach ungemein wichtig, dass ein Mehrwert im Fokus steht – der Guide sollte nicht zum Selbstzweck dienen. Inhalte, die so direkt schon in der Ausstellung verfügbar sind (als Objekttexte zum Beispiel) auch digital anzubieten, ‘weil man es so macht’ ist kein ausreichender Grund. Tanja Praske hat in ihrem Montagsinterview vom 27.02. im Bezug auf Museumsapps nochmals klargestellt: Form Follows Function! Diesen Leitsatz möchte ich noch erweitern um: Content Follows Function! Es geht nicht nur darum, Inhalte zu haben und diese ‘wild’ in digitaler Form zu präsentieren – dahinter sollte immer ein Konzept stehen.

Leitfragen für ein inhaltliches Konzept

Zunächst gilt es, den Fokus des Guides zu klären: Soll der Guide verstärkt eine weitere Vertiefung in das Museum und seine (Dauer)Ausstellung geben, vielleicht auch Einblicke in die Sammlung ermöglichen, die Besuchende sonst nicht haben, quasi den Raum des Museums digital erweitern und beispielsweise Videoinhalte aus Herkunftsländern von Objekten präsentieren? Kurz gesagt:  Der Guide könnte als eine Art portable Medienstation konzipiert werden, die zu ausgewählten Objekten weitere Vertiefungen anbietet.

Eine weitere Möglichkeit wäre, mittels des Guides thematische Führungen zu ermöglichen, welche Nischeninteressen ansprechen bzw. abdecken können, die in den ‘normalen Führungen’ nicht in der Breite angeboten werden können (etwa Expertenführungen mit Fachpersonal aus dem eigenen Haus oder externen Fachleuten). Auch wenn diese Formate bereits angeboten werden, könnten sie durch einen Guide verdauert werden, so dass die im Prinzip jederzeit bei individuellem Wunsch wahrgenommen werden können, unabhängig von den Kapazitäten der Führenden.

Weiter ist zu klären, inwieweit der Guide in Korrespondenz zu den weiteren medial gestalteten Informationen des Museums steht: Nimmt er etwa Informationstexte, die Teil der analogen Präsentation sind, direkt auf, als Audiospur; vielleicht auch in weiteren Sprachen als der Text, welcher physisch vorhanden ist? oder sollen im Guide nur solche Inhalte präsentiert werden, die so noch nicht auf Informationstafeln und -Schildern zur Verfügung stehen?

Eine wichtige Frage ist auch, wie viel Inhalt tatsächlich innerhalb des Guides präsentiert werden soll – oder anders gesagt: wie viel soll auf den Guide geschaut werden, der Blick auf das Device, und damit weg vom Objekt, gelenkt werden?

Ein weiterer Aspekt, der berücksichtigt werden sollte, ist die Frage nach der Barrierefreiheit: der Guide könnte eine Chance sein, Barrieren abzubauen – das hat natürlich große Auswirkungen auf die Auswahl und Gestaltung der Inhalte. Handreichungen hierzu gibt es im exzellenten “Leitfaden für Barrierefreiheit und Inklusion” des deutschen Museumsbunds.

Sind diese Leitfragen und weitere dadurch aufgekommende, individuellere Aspekte durchdacht worden, so empfielt es sich, eine Konzeptskizze zu verschriftlichen. In der weiteren Arbeit am Guide kann dann immer wieder darauf geblickt werden, so dass der Fokus erhalten bleibt und man nicht beginnt, sich in Details zu verzetteln.

Das inhaltliche Konzept meines Projekts

Allgemein lässt sich nur bis zu einem gewissen Punkt auf die inhaltliche Konzeption eingehen. Daher umreiße ich im Folgenden kurz, wie die Konzeption des Inhalts in meinem Projekt vonstatten ging.

Zunächst wurde festgelegt, dass es sich um einen Guide der Art ‘portable Mediastation’ handeln soll. Eine spezialisierte thematische Führung soll nicht angeboten werden, vielmehr soll der Guide einen Querschnitt der verschiedenen Themen des Museums anbieten, die das Publikum nach individuellem Interesse in der Gesamtheit und in einer sinnigen Reihenfolge, oder aber aber auch nur punktuell bei Interesse nach Vertiefung abrufen kann. Für die Zukunft könnte der Guide auf mehrere Sprachen erweitert werden, zunächst wird er im Projektzeitraum, welcher lediglich 8 Monate umfasst, einsprachig konzipiert.

Die Objekte, welche im Guide behandelt werden, auszuwählen, überlegten wir uns folgendes Vorgehen. Zunächst begehe ich als relativ unvoreingenommene ‘Besucherin’ die Ausstellung und notiere mir pro Raum die 5-7 Objekte, die mir ins Auge springen, die mich näher interessieren, zu denen ich gerne mehr wissen würde als die vorhandenen Texte mir anbieten.

Dieses Vorgehen wiederhole ich dann mit drei weiteren Personen: dem Museumsleiter, seiner Assistentin und der Museumspädagogin. Jede Person nennt mir bei einem Durchgang die 5-7 ihrer Meinung nach wichtigsten Elemente der einzelnen Ausstellungsräume.

Aus den Angaben lassen sich dann Objekte ermitteln, die von mehreren Personen mit unterschiedlichem Fokus als die interessantesten empfunden werden.

Außerdem wurden noch Social-Media-Informationen hinzugezogen: welche Objekte sind von Besucherinnen und Besuchern auf Instagram oder Twitter fotografiert und geteilt worden, wecken also das Interesse des Publikums?

Nach der Konzeption ist vor der Umsetzung

Nachdem also die technische und die inhaltliche Konzeption vorgenommen wurden, ist es an der Zeit, an die tatsächliche Umsetzung zu gehen. In den weiteren Posts der Reihe werde ich darauf eingehen, wie ich die Designplanung des Guides durchgeführe sowie wie die konkreten Inhalte erarbeitet werden.

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